blütenblätter

eine galerie

  • Was wir sind

    Wir sind, was wir denken.
    Was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken.

    Dhammapada
    (n. Übers. v. T. Byrom)

  • Consolatio

    Wehe, wie tief hinab sank in den Abgrund
    Dein umdüsterter Geist, blind für das eigne
    Licht, und in dunkle Nacht will er sich senken,
    Wenn, von des Lebens Sturm mächtig entfesselt,
    Ins Unendliche wächst nagende Sorge?!
    Du, dem der Himmel einst offen erstrahlte!
    Der durch den Äther frei pflegte zu schweifen!

    Boethius, Trost der Philosophie

  • Schweigen

    — Nein, sagte Abend, als sie aus dem Buchcafé traten. Ich schreibe nicht mehr.

    Sie spähten die dunkle Straße hinunter, jeder wartete auf seinen Uber.

    — Schon lange nicht mehr. Schau doch: Alle schreiben, keiner hat etwas zu sagen. Ich schweige lieber. Mein Schweigen ist mein Schreiben.

    — Aber du schreibst doch schon, sagte Tag.

    Wortlos drehte sich Abend um und ging hinaus in die Nacht.

  • Langsam!

    Ja, Schnecke,
    besteig den Popo!
    Aber langsam, langsam!

    nach Kobayashi Issa

  • Bo

    Die Zersplitterung. Nicht förderlich sind Reisen und Ortswechsel.

    I Ging

  • Against my ruins

    Das meint die himmlische Stimme mit den drei Silben »Da«, »Da«, »Da«: »Schult euren Geist«, »seid großzügig« und »übt euch in Mitgefühl«.

    Brihadaranyaka Upanishad, V.2.3

  • Retablo

    O clemens, o pia, o dulcis

    Salve Regina

  • Lärm


    Das 20. Jahrhundert ist, neben vielem anderen, das Jahrhundert des Lärms — innerlicher genau wie äußerlicher Lärm. Kein Wunder, denn wir bringen heute unsere geballte Technik gegen die Stille in Anschlag.

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  • Gnade

    Gott ist an allen Orten, und an jedem Ort ist Gott ganz. Das will so viel sagen, dass alle Orte ein Ort Gottes sind.

    Meister Eckhard

  • Día de la Independencia

    Schaffe Leere bis zum Höchsten!
    Wahre die Stille bis zum Völligsten!
    Alle Dinge mögen sich dann zugleich erheben.
    Ich schaue, wie sie sich wenden.
    Die Dinge in all ihrer Menge,
    ein jedes kehrt zurück zu seiner Wurzel.

    Tao te king, 16

  • Edle Wahrheit

    Und das ist die edle Wahrheit vom Leiden: Geburt ist Leiden; Alter ist Leiden; Krankheit ist Leiden; Tod ist Leiden; mit Ungeliebtem vereint sein ist Leiden; von Geliebtem getrennt sein ist Leiden; nicht bekommen, was man wünscht, ist Leiden.

    Dhammacakkappavattana-Sutta

  • Triptychon

    Magnificat anima mea Dominum, et exsultavit spiritus meus in Deo salutari meo. Quia respexit humilitatem ancillae suae. Ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes. Quia fecit mihi magna, qui potens est, et sanctum nomen eius.

    Lk 1,46–49

  • Koan

    Koan

    Lass deinen Körper, so wie du bist, zur Ruhe kommen. Frag dich: »Wer bin ich?« Stell dir diese Frage ernsthaft. Stell dir die Frage gern ein zweites Mal, wenn du magst. Dann sei einfach offen. Schau, was kommt.

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  • Indras Netz

    Die Dharmas durchdringen einander wie ein Netz aus himmlischen Juwelen, das sich unendlich weit in alle Richtungen erstreckt. […] Dieses Netz aus himmlischen Juwelen wird Indras Netz genannt. Die Juwelen sind so klar, dass sie sich bis ins Unendliche ineinander spiegeln und ineinander übergehen. In jedem Juwel spiegelt sich das ganze Netz. Nichts kommt und nichts geht.

    Dushun

  • Ende

    Ende

    Wir legen die Hände aneinander, verneigen uns und kehren dahin zurück, wo wir immer schon waren.

    Sokei-an

  • Dharma-Bub

    Glaub bloß net, weil de owe am Berch lebst, bisde frei!
    Es geht doch kenn Daach net römm ohne Ärcher:
    Aale Weiwer klaue mer die Kwetsche vom Baam,
    Buwe schäüche mer ihr Zieche durch’n Gadde,
    Die Schnegge und Würm fresse mer’s Gmüs zamm,
    Und die Säü und Mäüs de Mais.
    Es geht halt allwei net nur nach deim Kopp!
    Drömm süch ich ewe in mir selwer – buda sonst?

    Shiwu
    (nach Übers. v. Red Pine)

  • Vor dem Regen

    Vor dem Regen

    Und plötzlich ist der Mai da. Die Zikaden singen täglich lauter und die Hitze wird immer unerträglicher. Morgens schießt die Sonne an den Zenit, von wo aus sie den ganzen Tag lang erbarmungslos herunterbrennt. Gegen Ende des Monats kommt zu der Hitze auch noch die Schwüle hinzu, ab Mittag legt sich ein Dunstschleier wie eine Heizdecke auf das Dorf.

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  • Anatta

    Anatta

    Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst. 

    Rāhulasutta

  • Dürre

    Als der Regen ausblieb, nahm die Katastrophe ihren Lauf. Historiker sprechen von einem „Hungerjahr“. Es begann mit einem ungewöhnlich heißen April [1785]. Ende Mai war noch immer kein Wölkchen am Himmel zu sehen. In ihrer Verzweiflung hielten die Menschen Marienprozessionen ab, um die Muttergottes um Regen zu bitten.

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  • Freiheit

    Bruder Matthew sperrte also die Tür hinter mir zu, und ich war umschlossen von den vier Wänden meiner neuen Freiheit.

    Thomas Merton, The Seven Storey Mountain, 4.II